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50 Jahre franziskanische Präsenz in unserer Region. Als Gäste und Verwalter auf der Insel Werd.
Franz von Assisi wünschte, dass sich die Brüder nichts in dieser Welt aneignen, sondern immer als Gäste und Fremdlinge in der Welt leben, da unsere wirkliche Heimat der Himmel ist. Was hier so fromm klingt, versuchen die Brüder weltweit mehr oder weniger erfolgreich zu leben. So wurde vor 50 Jahren die Insel Werd vom Kloster Einsiedeln den Franziskanern anvertraut. Seit da sind sie als Gäste und Verwalter auf der Insel Werd.
So haben wir Grund zur Dankbarkeit, denn es ist nicht selbstverständlich, dass wir an einem so wundersamen und schönen Ort leben dürfen. So halten wir Brüder die Wallfahrtsmesse immer am Mittwoch um 8 Uhr zu Ehren des heiligen Otmar.
Otmar - der Inselheilige
Vor über 1300 Jahren wurde der heilige Otmar, Abt und Gründer des Klosters St.Gallen, eines Sexualdelikts angeschuldigt. Er sagte bei Gericht: Nur Gott weiss, was wirklich war. Otmar starb 759 auf der Insel Werd als Verbannter in Gefangenschaft. Einige Jahre später bereute der Mönch, der ihn damals verleugnete und bekannte seine Verleumdung öffentlich. Darauf hin wurde der Leichnam des hl. Otmar von der Insel geholt. Sein Leichnam wurde unverwest vorgefunden. Als Getränk für die Mönche, die über den ganzen Bodensee gerudert seien, diente ein Fass Wein. Als sie mit dem Leichnam in Rorschach anlegten und dabei auch das Weinfässchen ausluden war es noch immer bis an den Rand voll guten Weins. Dies war das erste Wunder des Heiligen. Er wird jedenfalls mit Mitra, Bischofsstab und Weinfässchen dargestellt. Der letzte Klostervorsteher (Guardian) sagte den Besuchern oft lachend, dass seit diesem Wunder eine Flasche Wein als Brückenzoll auf der Insel Werd eingeführt wurde. So werde der Weinkeller der Brüder nie leer und dies erinnere sympathisch an das erste Wunder des Heiligen.
Die Tätigkeiten der Inselbrüder
Wir Brüder empfangen hier unzählige Gruppen, halten Trauungen, Tauffeiern, treffen uns in der Kapelle für die drei Gebetszeiten (Laudes um 7.00 Uhr, Sext um 12.00 Uhr, Vesper um 18.00 Uhr), zudem bieten wir auch Seelsorgegespräche auf Anfrage an. Gerne pflegen wir die Insel mit den Rasen, Blumen und den Gemüsegarten. Aber die meisten Brüder betätigen sich gegen aussen in den verschiedensten Aufgaben.
Br. Raphael Fässler ist Pfarrer von Eschenz, Br. Benedikt Borer und Br. Michael Josuran machen priesterliche Aushilfen in der Umgebung, Br. François, der Senior, kocht trotz seiner 85 Jahre zwei bis drei mal die Woche für die Brüder. Br. Christof-Maria Hörtner absolviert das Pfarreipraktikum und wird voraussichtlich 2008 zum Priester geweiht. Ich, Br. Benno-Maria bin der Guardian und versuche das Wort, welches Jesus sagte und für Franziskus sehr zentral ist, zu leben: «Der Grösste (Chef ) unter euch soll der Diener aller sein.» So einfach ist das Dienen oft nicht und ich kann nicht allen ganz gerecht werden. Neulich musste ich schmunzeln, als aus dem Gäste-WC eine Frauenstimme rief: Ist Bruder Benno da draussen? Ich ging zufällig vorbei und rief: «Ja»! Dann mit scharfer Stimme: «Sie könnten das WC mal wieder etwas sauberer putzen… » Naja, hab es dann sofort geputzt, obwohl es nach meiner Einschätzung nicht einmal schmutzig gewesen war. Viele Wünsche und Ansprüche an mich oder an die Brüder können wir halt oft nicht erfüllen. Nebst den offiziellen kirchlichen Diensten, engagieren sich die Brüder in diversen sozialen, spirituellen und geistlichen Projekten wie «Jugend 2000», Lourdespilgerverein, Missionsprokura, «Kahnu»-Verein, Gassen arbeit. Und der eine oder andere hält auch Vorträge bei Schülern, in Serviceclubs, in Altersheimen und auch mal in einem Management-Seminar.
Geistliches Zentrum und Anziehungsort für Touristen
Die Insel ist ein Anziehungsort für Touristen, Menschen die die Stille lieben, für Verliebte ein romantisches Plätzchen. Esoterisch geprägte Menschen sagen, die Insel sei ein besonderer Kraftort mit vielen «Bovis»-Einheiten, andere sagen, sie hätten Elfen gesehen. Viele kommen aber auch, um die Wasservögel zu betrachten. Die Insel ist eigentlich privat. Aber ein altes Wegrecht garantiert den Zugang zur Otmars Kapelle, zu der täglich viele Besucher pilgern, um zu beten, still zu werden oder auch nur ein Kerzchen zu entzünden. Wir sind überrascht, wie viele Menschen gesammelt die 444 Meter zur Mitte des Labyrinths schreiten. In der Mitte des Labyrinths sprudelt ein spezieller Brunnen mit dem Bruderklausen-Mandala, welches das Geheimnis des Dreieinen Gottes symbolisiert. Die drei Strahlen, welche das Wasser aus der Mitte in den äusseren Kreis strömen lassen, will zeigen, dass Gott aus sich heraus kommt, um sich in und durch die Schöpfung zu offenbaren. Alle Geschöpfe, die mit diesem lebendigen Wasser in Kontakt kommen, werden von der Liebe Gottes tiefer durchdrungen. Sie können ganz bei sich selber sein und wissen, dass zutiefst im eigenen Wesen in der eigenen Mitte die Lebendige Quelle des Lebens sprudelt. Wer das wieder entdeckt hat, geht die 444 Meter aufmerksam zurück, um etwas von dieser Kraft, Hoffnung und Liebe in den Alltag hinein zu tragen.
Ein Höhepunkt war auch in den letzten Jahren immer wieder das Clean und Free Openair (vom 29. Juni bis 1. Juli 2007). Bei diesem Openair wird viel von unserer franziskanischen Lebenshaltung sichtbar. Franziskus wünschte, dass die Brüder immer wieder Kontakt mit Menschen am Rande der Gesellschaft haben, denn in ihnen begegnet uns in spezieller Weise Christus: «Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan», sagt Jesus in der Gerichtsrede. Auf diesem Hintergrund entstand auch die Gassenarbeit. Die Gassenarbeit beratet Süchtige, steht zu ihnen, auch wenn sie nicht oder noch nicht aus der Sucht aussteigen können. Wir machen Prävention und Therapie und neu haben wir auch das Haus «Zueflucht», um chronisch- süchtige Menschen aufzunehmen.
Das Clean und Free Openair
Am Openair auf der Insel wollen wir aus Solidarität mit den Süchtigen mal ein Wochenende auch auf Alkohol verzichten. Sogar die Suchtbetroffenen versprechen, nichts zu konsumieren, was auch meistens gelingt. «Free» ist das Openair, da Franz eine neue Weltordnung wollte, wo jeder bekommt was er braucht. So kostet es keinen Eintritt, auch die Getränke und das Essen und alles andere ist nach dem «Kahnu»-Prinzip organisiert: Kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst. Jeder kann geben und nehmen wie es für ihn stimmt. Das Schönste bei einer solchen franziskanischen Weltordnung ist, dass das Hamstern plötzlich uninteressant wird und man nichts stehlen kann, da eh alles geschenkt ist. Letztlich können Reich und Arm geben, wie es für jeden richtig erscheint. Letztes Jahr lagen sogar 100 Gramm Gold im Opferstock. Falls es beim Openair, bei dem wir am Sontag, 1. Juli auch «50 Jahre Franziskaner auf der Insel» feiern, Gewinn gäbe, fliesst alles in die Gassenarbeit und in die Missionsprojekte.
Steg, Umbau, Renovation und wie es weitergeht
Wie es weiter geht mit den Brüdern auf der Insel, wissen wir nicht, aber wir vertrauen auf Gott, dass wir solange hier sind, wie er es will. Und wenn Gott will, das wir hier sind, wird er auch die richtigen Brüder hierher schicken. Aber eben, wir Franziskaner sollen auch immer wieder bereit sein, weiter zu ziehen, wenn wir gerufen werden oder wenn man uns an einem Ort nicht mehr haben will. So geniessen wir einfach jeden Tag hier auf der Insel zu sein. Wir sind auch sehr dankbar für die Brüder, die hier vor 50 Jahren begonnen haben und Brücke, Kapelle und das Haus renovierten. Manchmal erzählen uns die älteren Brüder bei einem Glas Wein aus der Vergangenheit und oft sind es köstliche Geschichten. Eines ist sicher: Wer versöhnt und dankbar in die Vergangenheit schaut, kann mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Denn wer versöhnt und dankbar ist, macht im Hier und Jetzt das Richtige und eröffnet so Moment für Moment eine gesegnete Zukunft.
Pace e Bene für alle!
Br. Benno, im Juni 2007
Geistliches Zentrum in der Region
(ulit) Die erste Kapelle auf der Insel dürfte im Jahr 864 zustande gekommen sein. An der Otmarskapelle, so wie sie sich heute präsentiert, wurden 1997 unter den Franziskanern umfassende Renovationsarbeiten ausgeführt. Die Kapelle steht seit 1961 unter Bundesschutz und wurde bereits 1962/63 restauriert. Bis 1945 lebte der ehemalige Erzbischof von Bukarest, Raymund Netzhammer, Benediktiner, auf dem Werdli. Als 1957 der erste Franziskaner, Bruder Eugen, aufs Inseli kam, waren dort eine Wirtschaft und eine Fischerei. Bald kamen einige Brüder dazu, da das Kloster Einsiedeln den Franziskanern diese Insel anvertraute. Das Konvent wurde so zur ersten Niederlassung des Bettelordens in der Deutschschweiz. Bald nach Bezug machten sich die ersten fünf Franziskaner an den Ausbau des kleinen Schopfes hinter dem Wohnhaus, richteten darin eine kleine Schreinerei ein. Im Dezember 1958 begannen sie mit der Instandstellung des Holzsteges. Mitte der 60er Jahre wurde von Bruder Josef Kiefer die Gartenanlage gebaut, wie sie sich heute präsentiert. Mehrere Jahre war das Konvent auf der Werd das Noviziat, wo angehende Mönche die Probejahre absolvierten.
Mehr Infos unter der von Bruder Benno gestalteten Homepage www.franziskaner-werd.ch |