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Bodensee besonders vom Klimawandel betroffen

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Der Bodensee

bodensee_01.jpg19.9.2006: Am Bodensee werden künftig mehr Vögel überwintern sowie neue Tier- und Pflanzenarten heimisch werden.

Auch wenn es die Stromkonzerne gerne leugnen, immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen dafür, dass der Klimawandel unumkehrbar ist und sich in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich verstärken wird. Die Region um den Bodensee wird davon besonders betroffen sein, prognostizieren die Wissenschaftler.

 

 

Nach einer jüngsten Studie, die das baden-württembergische Umweltministerium in Auftrag gegeben hat, muss in der Region innerhalb der kommenden 50 Jahre mit einer durchschnittlichen Erwärmung der Luft um 1,7 Grad gerechnet werden. Dies klingt zunächst nach wenig, kann aber drastische Auswirkungen haben, vor allem für Fischerei und Landwirtschaft.

Die Veränderungen seien im Ökosystem des Bodensees bereits deutlich sichtbar, sagt die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Margareta Barth. Im See kommen neue Arten von Muscheln, Krebsen, Krabben und Süßwasserquallen vor, die sich teilweise stark ausbreiten und heimische Arten verdrängen – eine massive Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht.

Unterdessen müssen die Obstbauern mit deutlich mehr Schädlingen rechnen. Krankheiten wie der Apfelschorf werden sich stärker ausbreiten. Auch der Apfelwickler bildet in einer Vegetationsperiode zunehmend drei statt zwei Generationen aus. Eine Gegenmaßnahme könnte der Umstieg auf resistentere Sorten sein.

Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen. Die Region könnte sich möglicherweise in ein großes, attraktives Weinanbaugebiet verwandeln, sagt Gönner. Auch die touristische Attraktivität der Region könnten wärmere und trockenere Sommermonate fördern. Es gebe Gewinner und Verlierer, so Gönner.

Klar scheint unterdessen, dass eine Umkehr des Klimawandels nicht mehr möglich ist. Daher sei es wichtig, rechtzeitig die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Zur weiteren Forschung sollen in das Programm „Herausforderung Klimawandel“ 2,8 Millionen Euro investiert werden. Dabei wird unter anderem mit Bayern, dem Deutschen Wetterdienst und der Wasserwirtschaft zusammengearbeitet.

Gestützt werden die Ergebnisse der baden-württembergischen Studie auch von einer europaweiten Untersuchung. Laut der EU-Studie Clime (Climate and Lake Impacts in Europe) steigen die Wassertemperaturen der Seen im Schnitt um ein bis zwei Zehntel Grad pro Jahrzehnt. Bis in die tiefen Schichten hinab werden die Seen somit wärmer. Die Folgen: Algen nehmen zu, die Wasserqualität sinkt. Die höheren Temperaturen verringern die Sauerstoffkonzentration, bestimmte Tier- und Pflanzenarten sterben ab. Im Bodensee sei diese Entwicklung bereits zu beobachten, sagt auch die EU-Studie.

 Die Folgen des Klimawandels am Bodensee:

- Im Winter: Etwa 25 Prozent mehr Niederschläge, Höhere Lufttemperaturen, weniger Frosttage, weniger Durchmischung warmer und kalter Wasserschichten im See, dadurch Gefahr von Sauerstoffmangel und ökologischen Schäden des Bodensees.

- Im Frühjahr: Frühjahresbeginn verschiebt sich zehn bis zwölf Tage nach vorne. Stärker schwankende Wasserspiegel, Zunahme der Hochwassergefahr. Höhere Wasserstände begünstigen Schnaken, Entenflöhe und am Wasser laichende Fische.

 

- Im Sommer: Zunahme der Sommertage (etwa 20 in 50 Jahren), Gefahr längere Trockenheit.